Heidelberg: Identität des LKA-Spitzels „Simon Brenner“ aufgeklärt

Quelle: Neues Deutschland

Es wird zurückermittelt

»Simon Brenner« spähte die linke Szene in Heidelberg aus – und ist nun selbst Rechercheziel

Berlin (ND). Der fiktive Simon Brenner ist Privatdetektiv und die Hauptfigur einer Krimireihe des österreichischen Autors Wolf Haas. Im baden-württembergischen Heidelberg bewegte sich bis vor Kurzem ein Simon Brenner aus Fleisch und Blut in linken Kreisen – bis zu seiner Enttarnung. Denn auch dieser Simon Brenner war fiktiv, der Name des österreichischen Privatdetektivs Teil der Legende eines als Student getarnten Polizisten, der sich im Jahr 2010 unter anderem in der Heidelberger linksjugend.SDS engagierte, an antifaschistischen Protesten, dem NoBorder Camp in Brüssel und den Castor-Protesten beteiligte.

Nachzulesen sind die umfangreichen Rechercheergebnisse und Rekonstruktionen zum »Fall Simon Brenner«, die nach der Enttarnung des eingeschleusten Polizisten angestellt wurden, auf dem Internetportal linksunten.indymedia.org.



Demnach war der verdeckte Ermittler des LKA Anfang Dezember durch einen reinen Zufall aufgeflogen. Eine Urlaubsbekanntschaft, die »Brenner« vor seinem Einsatz kennengelernt hatte, erkannte ihn bei einem Besuch in Heidelberg wieder und outete ihn in der linken Szene als Polizisten. Mit diesem Vorwurf konfrontiert, gab »Brenner« zu, verdeckter Ermittler zu sein und regelmäßig LKA und Staatsschutz Bericht erstattet zu haben. Ziel seiner Tätigkeit der »Informationssammlung und Gefahrenprävention« ohne konkreten Anlass sei eigentlich die Heidelberger »Antifa-Szene«.

Ohne konkreten Hinweis auf Straftaten oder zur Verhinderung dieser dürfen Polizeibeamte jedoch nicht verdeckt ermitteln. Die Antifaschistische Initiative Heidelberg (AIHD) fordert deshalb in einer Reaktion auf die neusten, gestern veröffentlichten Enthüllungen einer »Hackergruppe ›Spitzel sind das Allerletzte‹« das Innenministerium auf, »die illegalen Machenschaften des LKA restlos aufzuklären«. Die baden-württembergische Landesregierung müsse die Verantwortung für den Skandal übernehmen und politische und personelle Konsequenzen ziehen, so die AIHD. »Ein Innenminister Heribert Rech, in dessen Zuständigkeit eine solche Aushebelung rechtsstaatlicher Standards geschieht und der durch sein Schweigen die Aufklärung aktiv zu verhindern versucht, ist nicht mehr tragbar.«

Laut den detaillierten Erkenntnissen wies die Tarnung des »Simon Brenner« viele Ähnlichkeiten zum realen Leben des Polizisten auf, wohl, so die Schlussfolgerung, um die Gefahr einer ungewollten Enttarnung durch »Verplappern« zu verringern – was gründlich in die Hose ging. Denn in diesem Fall war der oft zitierte »Kommissar Zufall« einmal nicht auf Seiten der Polizei.“





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